bAV · Entgeltumwandlung

Wie aus Bruttogehalt Versorgung wird.

Die Entgeltumwandlung ist der mit Abstand häufigste Weg in die bAV — und der Mechanismus, in dem Förderung, Pflichtzuschuss und Sozialabgaben am direktesten zusammenspielen.

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338 €
monatlich SV-frei
4 % der BBG 2026 (101.400 €)
676 €
monatlich steuerfrei
8 % der BBG — zusätzlich 338 € nur-steuerfrei
01.01.2002
Rechtsanspruch
§ 1a BetrAVG — gilt für alle Arbeitnehmer
Mechanik

Wie Entgeltumwandlung im Versorgungs­alltag wirkt

  • Das Bruttogehalt wird nicht als Lohn ausgezahlt, sondern fließt direkt in einen Vorsorgevertrag — innerhalb des Förderrahmens steuer- und sozialabgabenfrei.
  • Den Anspruch nach § 1a BetrAVG kann ein Arbeitgeber nicht ausschließen; Mitarbeiter können ihn jederzeit ziehen, sobald die Lohnabrechnung steht.
  • Innerhalb der Förderhöchstbeträge fließt Beitrag in die bAV, ohne Steuer und teilweise ohne Sozialabgaben zu erzeugen — die genauen Werte sind an die Beitragsbemessungsgrenze gekoppelt und steigen jährlich leicht.
  • Den Pflichtzuschuss von 15 Prozent erkennen die drei versicherungs­förmigen Wege; die Unterstützungskasse ist davon ausgenommen.
  • Auch in unteren Einkommensgruppen funktioniert das Modell — Auszahlungen werden seit 2021 nur noch teilweise auf die Grundsicherung angerechnet.
01Mechanik

Wie Entgeltumwandlung praktisch funktioniert

Das Prinzip ist einfach — die Wirkung hängt davon ab, wie sauber der Pflichtzuschuss und der Durchführungsweg eingebunden sind.

Der Arbeitnehmer verzichtet auf einen Teil seines künftigen Bruttogehalts. Dieser Teil wird statt auf das Lohnkonto direkt in einen Vorsorgevertrag eingezahlt — innerhalb der Förderrahmen steuer- und sozialabgabenfrei. Der Arbeitgeber legt einen Pflichtzuschuss von 15 Prozent oben drauf (bei versicherungsförmigen Durchführungswegen). Die Versorgungs- leistung wird ab Renteneintritt ausgezahlt — entweder als Rente, als Einmalkapital oder als Kombination.

Mögliche Durchführungswege

  • Direktversicherung — am häufigsten genutzt, einfach verwaltbar, Pflichtzuschuss gilt
  • Pensionskasse / Pensionsfonds — Pflichtzuschuss gilt, höhere Anlagespielräume bei Fonds
  • Unterstützungskasse — bilanzneutral, kein Pflichtzuschuss, sinnvoll oberhalb der § 3 Nr. 63-Grenze
  • Direkt- / Pensionszusage — meist nur für Führungskräfte und Geschäftsführer relevant
02Förderrahmen 2026

Wieviel sich Mitarbeiter steuer- und SV-frei umwandeln lassen

Die Förderhöchstbeträge sind an die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) der Renten­versicherung gekoppelt — sie steigen damit jedes Jahr leicht.

Beitragsbemessungsgrenze 2026: 101.400 Euro pro Jahr — entspricht 8.450 Euro pro Monat.

Rahmenmonatlichjährlich
Steuer- und sozialabgabenfrei (4 % BBG)338 €4.056 €
Zusätzlich nur steuerfrei (weitere 4 % BBG)338 €4.056 €
Gesamter steuerfreier Rahmen (8 % BBG)676 €8.112 €

Bei Unterstützungskasse und Direktzusage gilt der steuerfreie Rahmen ohne Obergrenze — die 4-%-SV-Grenze bleibt jedoch bestehen.

Eigenes Rechenbeispiel folgt
Eine konkrete Brutto/Netto-Gegenüberstellung mit deinen typischen Mitarbeiterprofilen rechnen wir individuell für deine Belegschaft durch. Beispiel von Karsten ergänzen wir hier ein, sobald die Hausnumerik geprüft ist.
03Pflichtzuschuss

Warum 15 Prozent in der Praxis selten genug sind

Der gesetzliche Pflichtzuschuss kompensiert lediglich einen Teil der späteren Besteuerung — wer Bindung erzeugen will, geht typischerweise spürbar darüber hinaus.

Die Sozialabgaben-Ersparnis des Arbeitgebers auf den umgewandelten Beitrag liegt — abhängig von der Belegschaft — bei ungefähr 20 Prozent. Davon werden 15 Prozent gesetzlich an den Arbeitnehmer weitergereicht. Wer dabei stehen bleibt, verschenkt einen wesentlichen Teil der kommunikativen Wirkung.

Was Erhöhungen bewirken

  • 20 % Zuschuss — gleicht die spätere nachgelagerte Besteuerung in vielen Fällen rechnerisch aus
  • 25 % Zuschuss — wird in Stellenanzeigen wahrnehmbar (deutlich über Pflichtmaß)
  • 30 % oder mehr — typischerweise in Tech-Branchen und bei Recruiting-Engpässen
04Oberhalb der BBG

Wenn die Beitragsbemessungsgrenze die Rechnung verschiebt

Bei Gehältern jenseits der BBG fällt der SV-Effekt weitgehend weg — der Steuerhebel bleibt dominant, und die Auswahl des Durchführungswegs wird wichtiger.

Oberhalb der Kranken- und Pflegeversicherungs-BBG (2026: 5.812,50 € pro Monat) entfallen weite Teile der SV-Ersparnis. Die Steuereinsparung bleibt mit bis zu 45 Prozent attraktiv. Für Spitzenverdiener wird damit häufig die Unterstützungs- kasse interessant: Sie ermöglicht steuerfreie Umwandlung jenseits des § 3 Nr. 63-Rahmens.

Strategien für gut verdienende Belegschaften

  • Direktversicherung als Standardweg für die gesamte Belegschaft
  • Unterstützungskasse als ergänzender Weg für Führungskräfte und Spezialisten
  • ETF-orientierte Tarife mit transparenter Investmentbeteiligung statt klassischer Garantieprodukte
05Stolpersteine

Wo Entgeltumwandlung in der Praxis schief läuft

Die häufigsten Fehler entstehen nicht am Vertrag, sondern an Kommunikation und Verwaltung.

  • Niedrige Beteiligungsquote — vielfach unter 15 % der Belegschaft. Ursache: keine aktive Kommunikation, kein Onboarding-Baustein, keine sichtbare Zuschusshöhe.
  • Verwaltungsaufwand — manuelle Datenpflege zwischen HR, Lohn und Versorgungsträger. Digitale Verwaltung senkt den Aufwand um 70–90 Prozent.
  • Produktstandard statt Konzept — bAV wird oft wie ein Einzelvertrag verkauft. Sinnvoll ist eine Versorgungs- ordnung als Rahmen.
  • Vergessener Pflichtzuschuss bei Altverträgen — führt zu Nachzahlungen und arbeitsrechtlichem Ärger.
Beitragspausen sauber regeln
Entgeltumwandlung kann auch bei Elternzeit, Krankheit oder Sabbatical fortgesetzt werden — meist nicht automatisch. Ohne klare Regelung in der Versorgungsordnung entstehen Lücken oder unbeabsichtigte Beitragsfreistellungen.
Im Detail

Was uns Unternehmen zur Entgeltumwandlung im Detail fragen

Lässt sich der Anspruch durch Vertragsklauseln einschränken?
Nein. § 1a BetrAVG ist zwingendes Recht — weder Arbeitsvertrag noch Betriebsvereinbarung können den Anspruch wirksam ausschließen. Was du aber darfst: den Rahmen vorgeben, in dem er erfüllt wird (Durchführungsweg, Tarif, Anbieter).
In welchen Fällen entfällt der gesetzliche Pflichtzuschuss?
Nur wenn keine SV-Ersparnis entsteht. Praktisch betrifft das Beschäftigte deutlich oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze — in allen anderen Konstellationen sind die 15 Prozent obligatorisch.
Wie wird die bAV beim Jobwechsel behandelt?
Bei den versicherungsförmigen Wegen läuft der Vertrag entweder beim neuen Arbeitgeber weiter, wird beitragsfrei gestellt oder per Übertragungswert mitgenommen. Bei Unterstützungskasse und Direktzusage ist die Mitnahme komplizierter — meist über vertragliche Sonderregeln oder Übertragungswerte gelöst.
Sind temporäre Beitragsstopps zulässig?
Beitragsfreistellung jederzeit möglich, eine vorzeitige Kündigung nicht. Das aufgebaute Kapital bleibt bis zum vereinbarten Rentenbeginn im Vertrag, der Vertrag selbst kann jederzeit ruhend gestellt werden.
Wir möchten zusätzlich die § 100-Geringverdienerförderung nutzen — vereinbar mit Entgeltumwandlung?
Ja, beide Hebel laufen parallel. Voraussetzung für die § 100-Förderung ist allerdings ein rein arbeitgeberfinanzierter Beitrag — nicht die Entgeltumwandlung selbst. Beide Wege lassen sich für denselben Mitarbeiter kombinieren und entfalten in unteren Gehaltsgruppen oft beachtliche Hebelwirkung.
Nächster Schritt

Wir konzipieren Entgeltumwandlung passend zu deiner Belegschaft

Im Erstgespräch klären wir den passenden Durchführungsweg, die sinnvolle Zuschusshöhe und wie du die Beteiligungsquote nachhaltig anhebst.